Gräserpollen werden freigesetzt
Pollen haben bei allen höheren Pflanzen die Aufgabe, das männliche Erbgut bei der Befruchtung auf die Eizelle zu übertragen. Einzelne Pollenkörner sind von Auge kaum sichtbar, sie messen je nach Art von 10 bis 100 Tausendstel Millimeter. Da sie sehr unterschiedliche Formen aufweisen, lassen sie sich unter dem Mikroskop bestimmen. Pollen enthalten Eiweissverbindungen, welche vom Körper als Fremdsubstanzen angesehen werden und darum bekämpft werden. Heuschnupfen ist eine Überreaktion des körpereigenen Immunsystems auf den Kontakt mit diesen Allergenen.
Ein Birkenkätzchen enthält ungefähr 4 Millionen Pollen
Welche Pollen lösen Heuschnupfen aus?
Damit die Pollen überhaupt Heuschnupfen auslösen können, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens müssen die Pollen Allergene enthalten, die vom Körper als Eindringlinge bekämpft werden. Nicht alle Pollen besitzen solch aggressive Allergene. Zweitens müssen die Pollen in grossen Mengen in der Luft sein. Genügend grosse Mengen an Blütenpollen produzieren nur windblütige Pflanzen. Zu den windblütigen Pflanzen gehörend die Gräser und viele Bäume. Die Blüten eines einzelnen Grashalms enthalten ungefähr 4 Millionen Blütenpollen. Ähnlich viele Pollen enthält ein einzelnes Birkenkätzchen. Insektenblütige Pflanzen erzeugen für die Vermehrung nur wenige Pollen, da die Bestäubung der Blüten sehr gezielt durch Insekten erfolgt. Insektenblütige Pflanzen, das heisst bei uns die meisten Pflanzen mit bunt gefärbten und angenehm duftenden Blüten, sind deshalb für Heuschnupfen eher unbedeutend. Sie lösen höchstens bei engem Kontakt mit der Blüte allergische Reaktionen aus.
Es gibt auch Beispiele von Pflanzen, die grosse Pollenmengen produzieren und trotzdem keine Pollenallergien auslösen. Ihnen fehlen die allergenen Substanzen. Zu ihnen gehören die Pollen von Nadelhölzern. Als gelber Staubniederschlag machen sich die Fichten- und Föhrenpollen im Frühling auf Autos und Fenstersimsen bemerkbar. Ihre Wirkung beruht höchstens auf einer Irritation der Bindehäute, wie das auch normaler Staub bewirken kann.
Ambrosia, eine neue allergene Pflanze in der Schweiz (Bild: Agroscope ACW)
Wichtige Pollenarten in der Schweiz
In der Schweiz sind sechs Pollenarten für rund 95% der Pollenallergien verantwortlich: Gräser-, Birken-, Eschen-, Hasel-, Erlen- und Beifusspollen. Weitere Pflanzenarten, die ebenfalls Heuschnupfen auslösen können, werden unter www.pollenundallergie.ch beschrieben. Neue allergene Pflanzen können jedoch dazukommen. Das Traubenkraut (ragweed), in Nordamerika das wichtigste Pollenallergen, wurde anfangs des 20. Jahrhundert nach Europa gebracht. Es hat sich vor allem in Ungarn, Wien, in der Poebene und um Lyon ausgebreitet und führt seither auch in Europa zu Allergien. In der Schweiz kommt das Traubenkraut erst vereinzelt in Genf und im Tessin vor. Allergien wurden bei Asteraceae-Allergikern jedoch bereits beobachtet. Es ist Aufgabe der Wissenschaft, die Ausbreitung des Traubenkrauts in der Schweiz genau zu beobachten, um Allergien vorbeugen zu können.
Die meisten Personen reagieren nicht nur auf eine Pollenart, sondern auch auf Pollen von verwandten Pflanzenarten. So sind die Familien der Birken- und Haselgewächse sehr nah verwandt und besitzen ähnliche Allergene. Man spricht deshalb von Kreuzreaktionen. Kreuzreaktionen kann es auch zwischen Pollen- und Nahrungsmittelallergien geben.
Bei Allergikern kommt es dann zu einem Heuschnupfen-Anfall, wenn die Pollenkonzentrationen in der Luft einen bestimmten Schwellenwert übersteigt, der je nach Pflanzenart unterschiedlich ist. Bei Roggenpollen reichen bereits 10 Pollen pro Kubikmeter Luft, während der Schwellenwert bei Gräsern bei 50 Pollen liegt. An einem sonnigen Tag kann jedoch der Gräserpollengehalt der Luft bis über 500 ansteigen.
Pollenflug und Wetter
Der Pollenflug und damit die Heuschnupfensymptome sind sehr stark vom Wetter abhängig. Es sind Temperatur, Sonnenschein, Luftfeuchtigkeit und Wind, welche eine wichtige Rolle spielen. Die Pflanzen geben ihre Pollen nur bei trockenem und relativ warmem Wetter ab. Unterschiede gibt es aber von Pflanze zu Pflanze. Eine Birke kann bereits eine Stunde nach einem Niederschlag wieder Pollen an die Luft abgeben. Bei Gräserpollen tritt hingegen an einem regnerischen Tag kein nennenswerter Pollenflug auf. Die Pollenkonzentrationen weisen auch tageszeitliche Schwankungen auf, meist mit höheren Werten am Tag als in der Nacht. Allerdings gibt es während Schönwetterperioden kaum eine pollenfreie Zeit. Sogar in der Nacht kann es Pollen in der Luft haben. Deshalb sollten die Fenster des Schlafzimmers auch nachts geschlossen bleiben, ausser wenn es am Tag sehr stark geregnet hat.
Auch der Beginn der Pollensaison ändert sich von Jahr zu Jahr: so kann beispielsweise die Birke bereits Mitte März aber auch erst Mitte April zu blühen beginnen. Mit zunehmender Höhe über Meer verspätet sich der Blühbeginn. In den Alpen beginnt die Birkenblüte sogar erst im Mai. Es ist deshalb nützlich, sich über die aktuelle Pollensituation zu informieren.
Text aus: "Schweizer Pollenführer". Herausgegeben von aha! und MeteoSchweiz





