Statt der bekannten wechselhaften Witterung brachte der April bisher sommerliche Verhältnisse. Das Tessin verzeichnete die ersten April-Hitzetage seit Messbeginn 1864. Mit der ungewöhnlichen Wärme setzt sich auch die seit Januar anhaltende ausgeprägte Trockenheit fort.
Dieser Beitrag wurde am 8.4.2011 erstellt und bis am 11.4.2011 nachgeführt.
Sommertage mit einer Temperatur von 25 Grad oder mehr auf der Alpennordseite sind im Jahresabschnitt bis zum 10. April selten. Am 7. April 2011 stiegen die Temperaturen dank warmer subtropischer Luftmassen in der Schweiz recht verbreitet auf oder über diese Sommermarke. Dabei war es nicht nur im Flachland, sondern auch in höheren Lagen seit Messbeginn noch nie so früh im Jahr so warm. Dies belegen die langen, bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Messreihen von MeteoSchweiz.
Auf der Alpennordseite ist Basel mit dem Tagesmaximum von 26.0 Grad der Spitzenreiter. Der bisherige Maximalwert vom 4. April 1985 lag hier bei 25.2 Grad. In Neuchâtel stieg die Temperatur am 7. April 2011 auf 25.2 Grad und zwei Tage später auf 25.4 Grad. Am 3. April 1899 wurde hier das bisherige Maximum von 23.4 Grad verzeichnet. Die Messstation Davos auf 1590 m ü.M. lieferte am 7. April 2011 einen Höchstwert von 19.0 Grad, was hier seit Messbeginn 1876 noch nie so früh im Jahr vorgekommen ist. Der nächsttiefere Wert von 18.0 Grad stammt vom 29. März 1890.
Auch früher schon Sommertage im März und Anfang April
Auch wenn sie grundsätzlich selten sind, traten Sommertage auf der Alpennordseite auch in früheren Zeiten hin und wieder ungewöhnlich früh im Jahr auf. So wurde der Wert von 25.2 Grad am 29. März 1920 in Luzern und am 30. März 1989 in Basel erreicht. In Genf stieg die Temperatur am 8. April 1961 auf 25.8 Grad und am 01. April 1935 auf 25.1 Grad.
| Station | Rang 1 | Rang 2 |
| Basel | 26.0 Grad (7.4.2011) | 25.2 Grad (4.4.1985) |
| Bern | 24.0 Grad(7.4.2011) | 23.4 Grad (9.4.2011) |
| Zürich | 24.7 Grad (6.4.1961) | 24.4 Grad (7.4.2011) |
| Lugano | 31.6 Grad (9.4.2011) | 30.8 Grad (8.4.2011) |
| Genève | 25.8 Grad (8.4.1961) | 25.1 Grad (1.4.1935) |
| Davos | 19.0 Grad (7.4.2011) | 18.0 Grad (29.3.1890) |
| Luzern | 25.2 Grad (29.3.1920) | 25.1 Grad (7.4.2011) |
| Neuchâtel | 25.4 Grad (9.4.2011) | 25.2 Grad (7.4.2011) |
| Samedan | 19.1 Grad (7.4.2011) | 16.5 Grad (9.4.2011) |
Grosse Trockenheit seit Jahresbeginn
Die oft hochdruckbestimmte Witterung seit Jahresbeginn führte zu einer ausgeprägten Trockenheit. Bis in die ersten Apriltage brachte das Jahr 2011 im gesamtschweizerischen Mittel nur rund 45 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmengen. Ähnlich trocken war es in der Schweiz für die Periode vom Januar bis in die ersten Apriltage letztmals in den Jahren 1993 und 1976. An den Messstandorten Engelberg und Segl-Maria handelt es sich um die dritt trockenste Periode seit Messbeginn 1864.
Hitzetag im Tessin markiert Höhepunkt der sehr warmen Witterungsphase
Die aussergewöhnliche Wärme dieser Tage hat am Samstag 9. April seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. In den Niederungen des Mittel- und Südtessins kann man getrost von Hitze sprechen: das höchste Tagesmaximum wurde in Locarno-Monti mit 31.8 Grad gemessen, in Lugano waren es mit 31.6 Grad. Eine Übersicht über die Höchsttemperatur am 9. April ist in Abbildung 1 oben dargestellt.
Die nördliche Höhenströmung, die als schwacher bis mässiger Nordföhn in die Täler der Alpensüdseite abtauchte, war aussergewöhnlich warm und sehr trocken. Uneingeschränkte Sonneneinstrahlung unterstützte zusätzlich die Erwärmung der bodennahen Luft. Verfolgt man die Herkunft der Luftmasse zurück, wird erkennbar, dass es sich um alte subtropische, ja fast schon tropische Luft aus dem westlichen Atlantik handelt, welche vor 5 Tagen noch auf 30° nördlicher Breite lag. Mit einer grossräumigen Südwestströmung wurde sie anschliessend über den Atlantik auf 60° nördlicher Breite nach Nordwesteuropa herangeführt, stieg dabei zwischenzeitlich auf 3000-5000 Meter an und gelangte anschliessend unter langsamem Absinken zur Schweiz (siehe Abbildung 2 unten).
Hitzetage im April sind selbst im Tessin ein Novum und wurden seit Messbeginn noch an keiner Station gemessen - erst recht nicht in der ersten Hälfte des Monats (zumindest wenn man homogenisierte Temperaturreihen betrachtet). Auch an den Bergstationen wurden neue Massstäbe gesetzt: die am Samstag auf der Cimetta registrierten 20.8 Grad sind 5 Grad mehr als am 24. April 2007, dem bislang grössten im April gemessenen Maximum.
Abb. 2: Herkunft der Luftmasse, die am Samstag 9. April 2011 um 12 UTC in Lugano eingeflossen ist. Datengrundlage: GFS Analysen der NOAA.
Quelle: NOAA HYSPLITgross.gif, 61 KB


